KÜNSTLER/INNEN

  • Burkhard FriedrichKünstlerischer Leiter
    © Kurt Hörbst

     

    Burkhard Friedrich, 1962 in Berlin geboren, studierte Komposition, allgemeine Musikerziehung und klassisches Saxophon in Berlin, Lübeck und Stuttgart. Er war Stipendiat der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestrundfunks, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Stadt Hamburg. Seine Kammeropern und Musiktheaterwerke „Lancelots Spiegel“, „Imitation of Life“ und „Galaxy Hotel“ fanden auf Festivals in Berlin, Hamburg und Bregenz große Beachtung. Seine experimentellen Musiktheater und Konzertinstallationen wurden und werden auf Festivals in Berlin, Hamburg, Wien, u.a. aufgeführt. Seine Kammermusikwerke finden sich im Repertoire bekannter Ensembles, wie beispielsweise dem „RADAR-Ensemble“, „Ensemble Decoder“ oder „Phoenix“.

    Burkhard Friedrich war zwischen 1994 und 2011 Künstlerischer Leiter und Saxophonist des „ensembles Intègrales“, das Kompositionsaufträge an arrivierte und nicht arrivierte junge Komponist/innen aus aller Welt vergab. Zusammen mit dem Experimental-Popmusiker Felix Kubin und „ensemble Intégrales“ hat er das Raumklang-Projekt „Echohaus“ realisiert und bei dem Label „Dekorder“ publiziert. Er hat für seine außergewöhnliche Musiksprache verschiedene internationale Auszeichnungen erhalten und war u.a. Stipendiat der Freien und Hansestadt Hamburg, der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR, des DAAD und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sein kompositorisches Repertoire reicht von Opern in großer Besetzung bis hin zu performativen Video-Installationen.

    Auf internationalen musikpädagogischen Kongressen hält er zudem Seminare und Workshops zum Thema „Kompositionspädagogik“ und „Fachdidaktik experimentelle Musik“, ist Lehrbeauftragter für das Fach „Didaktik der Komposition“ an der Musikhochschule Lübeck, leitet eine Kompositionsklasse an der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg und ist Gastdozent an internationalen Musikuniversitäten und ist zudem künstlerischer Leiter der Kompositionsprojekte „Klangradar 3000“ in Hamburg und „Klangradar – Vision Kirchenräume“ in Hannover.

    Von Burkhard Friedrich sind CDs bei WERGO, Ahornfelder, Dekorder und dem Net-Label plakatif.net sowie eine CD seiner Kammeroper „Lancelots Spiegel“ (Klangdebüts KUG) erschienen.

    Seit 2014 ist Burkhard Friedrich Initiator und Künstlerischer Leiter von KLANGRADAR BERLIN.

    Welches musikalische Erlebnis hat Sie zum Komponieren gebracht?

    Im Prinzip weniger ein „musikalisches“ Ereignis als ein „literarisches“: Stefan Zweig hat 1848 eine „Historische Miniatur“ verfasst, die der „Beinahe“-Hinrichtung Fjodor Dostojewskis gewidmet ist. Es handelt sich hier um eine Art Gedicht („Heroischer Augenblick“), in der er Dostojewskis präkäre und scheinbar aussichtslose Situation beschreibt, dann aber mit nicht minderer Intensität die Erleichterung schildert, als er begnadigt wurde. Zu diesem Stück Prosa-Gedicht hatte ich meine ersten klanglich-musikalischen Inspirationen und Assoziationen, die sich in einer meiner ersten Kompositionen „Die Erlösung“ niedergeschlagen hat. Das war 1983. Im Grunde genommen haben mich seitdem meistens außermusikalische Ereignisse, Situationen, Entwicklungen zu meiner kompositorischen Arbeit inspiriert.

    Könnten Sie uns einen Einblick geben, wie sich das Projekt KLANGRADAR BERLIN aus Ihrer Sicht seit 2014 entwickelt und verändert hat ?

    Ganz zu Anfang der KLANGRADAR-Projekte, also vor 16 Jahren, hatte ich die Idee, Schüler/ innen dieselbe Erfahrung zu ermöglichen und mit einer „Reise“ in unbekannte Klanggefilde auch den Weg ins Komponieren zu ermöglichen. Dabei ging es mir in erster Linie darum, den Kindern und Jugendlichen durch das aktive künstlerische Arbeiten die eigene kreative Kompetenz entdecken zu lassen und diese dann im sozialen Kontext zu aktivieren und anzuwenden. Es fehlten jedoch Schulen und Komponist/innen. Mit dem Landesmusikrat Hamburg und mit Unterstützung der Behörde für Schule und Bildung gelang es mir dann, die ersten Schulen für „Reise in die Musik des 21. Jahrhundert“, so der damalige Titel, zu gewinnen und im Jahr 2000 das erste Abschlusskonzert nach einer sechs monatigen Arbeitsphase  im kleinen Saal der Laeiszhalle in Hamburg zu veranstalten.

    In Berlin hat sich KLANGRADAR BERLIN von einem „Projekt“ zu einem „Programm“ entwickelt: Lehrkräfte können sich von den Konzepten der Experimentellen Klanggestaltung und des Komponierens für die eigene Unterrichtstätigkeit inspirieren lassen, also nachhaltig arbeiten und damit dann die Residenz des/der Komponist/in fortsetzen oder auch erweiterte Ideen und Konzepte initiieren. Diese Entwicklung hat mich wiederum dazu inspiriert, im Rahmen der jeweils für fünf Monate konzipierten strukturbildenden Maßnahme  „KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule“ pro Monat eine Fortbildung für die teilnehmenden Teams anzubieten, um allen KLANGRADAR BERLIN-Lehrkräften experimentelle Klangkonzepte für die eigene Unterrichtstätigkeit zu vermitteln und auch den beteiligten Komponist/innen eine Weiterbildung zu ermöglichen. KLANGRADAR BERLIN hat sich also professionalisiert.

    Und wie geht es weiter?

    Hier ist auch die aktuelle Situation von KLANGRADAR BERLIN verankert: Die Grundbedingungen sind bei allen Formaten gleich:

    • KLANGRADAR BERLIN ist immer eingebettet in den regulären Musikunterricht.
    • KLANGRADAR BERLIN beginnt immer experimentell und mündet in einen kompositorischen Prozess, an dessen Ende eine Gruppenkomposition aus dem Bereich der zeitgenössischen und neuen Musik steht.
    • KLANGRADAR BERLIN bedeutet immer „Klangforschungsgeist“ und klangliches experimentelles-kompositorisches Arbeiten im sozialen Kontext.
    • KLANGRADAR BELRIN arbeitet immer zunächst prozess- und später dann ergebnisorientiert.
    • Inhalte von KLANGRADAR BERLIN unterliegen in den meisten Fällen thematischen Insprationsquellen.

    Unter diesen Prämissen sind inzwischen die unterschiedlichsten Konzepte in Kooperation mit den unterschiedlichsten Institutionen und Trägern realisiert worden und werden realisiert. Der Ursprung von KLANGRADAR kommt aus Hamburg, die neueste KLANGRADAR-Produktion ist eine Kooperation zwischen Vision Kirchenmusik in der Trägerschaft der Landeskirche Niedersachsen in Hannover: Vier Schülergruppen erforschen klanglich jeweils einen sakralen Raum einer Gemeinde, die in unmittelbarer Nähe zur Schule liegt – eine evangelische, eine katholische, eine islamische und eine jüdische Gemeinde.

    In Hamburg wird „Klangradar 3000″ 2017 verstärkt mit Gruppen integrativer und sozialstatus schwachen Schulen, wie beispielsweise dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte“ zusammenarbeiten, einen weiteren Fokus auf priviligierte und sozialstatus hohe Schulen legen und diese in sogenannten „Get Together“-Werkstattkonzerten zusammenführen.

    In Berlin geht KLANGRADAR BERLIN in diesem Jahr ins vierte Jahr und legt den Fokus auf das Abschlusskonzert als inszenierte Experimentalrevue.

  • Sascha DragićevićKomponist im Schuljahr 2016/17
    © Frank Korte

    Sascha Dragićević wurde 1969 in Bonn geboren. Sein musikalischer Werdegang begann 1976 mit Klavierunterricht an der Musikschule der Stadt Bonn. Bald folgten erste Kompositions- und Improvisationsversuche.

    Ab 1990 studierte er an der Musikhochschule Köln Komposition bei Krzysztof Meyer und York Höller,  Klavier bei Klaus Oldemeyer sowie elektronische Komposition bei Hans Ulrich Humpert.

    Zusätzlich absolvierte er Kompositionskurse bei Karlheinz Stockhausen, György Ligeti,  Helmut Lachenmann, Mauricio Kagel und Georg Katzer.

    Sascha Dragićević schreibt Werke für Solo-, Kammermusik-, Ensemble- und Orchester-Besetzungen. Zusätzlich arbeitet er im Bereich elektroakustischer Komposition.

    Er setzt sich im Kompositionsprozess intensiv und wiederholt mit Fragen des musikalischen Materials auseinander, um seine Klangsprache stets zu erneuern und weiter zu entwickeln.

    Seit 1990 lehrt er als Dozent und Lehrbeauftragter an Musik- und Hochschulen, sowie als Kompositionslehrer bei diversen Education-Projekten, wie z.B. “Kulturagenten für kreative Schulen” an der Fichtelgebirge-Grundschule in Berlin-Kreuzberg oder bei den Berliner Education-Projekten „QuerKlang“ und “QuerKlang-Nachhall“.

     

    Sascha Dragićević begleitete bereits im allerersten Projektdurchgang von KLANGRADAR BERLIN-Mit den Ohren Sehen Lernen 2014 die Klasse 5a des Romain-Rolland-Gymnasiums bei ihrem Klangforschungsprozess. Im Schuljahr 2016/17, 2. Halbjahr, komponiert er mit der Klasse 5b der Heinrich-Zille-Grundschule Berlin-Kreuzberg.

  • Sebastian StierKomponist im Schuljahr 2016/17
    © Kai Bienert

    Sebastian Stier begann 1984 seine musikalische Ausbildung in der Kinderkomponistenklasse Halle/Dresden und absolvierte 1991 – 1997 ein Studium der Komposition an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin bei Paul-Heinz Dittrich. Seit 2004 ist er dort Dozent für Tonsatz und Analyse. Im schulischen Kontext war er lange Zeit als Lehrbeauftragter für Tonsatz und Gehörbildung im Rahmen der musikalischen Nachwuchsförderung am Musikgymnasium „Carl Philipp Emanuel Bach“ tätig. Zudem war er seit 1996 mehrfach Juror sowie Dozent beim Wettbewerb „Jugend Komponiert“ auf Regional-und Bundesebene.

    In seiner kompositorischen Arbeit fokussiert er sich stark auf den Bereich Neue Musik und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem 1. Preis des Kompositionswettbewerbes der 7. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik 2006. Der Deutsche Musikrat veröffentlichte zudem 2008 eine Portrait-CD von Sebastian Stier in der Reihe „Edition zeitgenössische Musik“.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ist er erstmalig dabei und komponiert im Schuljahr 2016/17, 2. Halbjahr, mit der Klasse 5b der Johann-Strauß-Grundschule Berlin-Marzahn.

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  • Katia TchemberdjiKomponistin im Schuljahr 2016/17
    © Nora Blum

    Katia Tchemberdji, ist 1960 in Moskau geboren. Sie lernte zunächst Klavier und Komposition an der Zentralen Musikschule für Hochbegabte beim Moskauer Konservatorium und erhielt 1984 am Moskauer Tschaikowsky Konservatorium ihr Diplom als Pianistin und Komponistin mit Auszeichnung. Seit 1990 lebt und arbeitet sie in Berlin und ist als Komponistin wie Pianistin gleichermaßen gefragt. Sie erhält u.a. Einladungen zu renommierten internationalen Festivals wie Heidelberger Frühling, Berliner Festwochen oder Kuhmo Chamber Music Festival. Unter ihren Werken findet sich neben Orchester- und Kammermusik auch Klavier- und Chormusik, Musik für Kinder, Opern und Oratorien, Chansons sowie Filmmusik für zahlreiche Kino- und Fernsehfilme. Ihre Kompositionen werden von Größen wie der Komischen Oper Berlin, dem  Staats – und Domchor, der Sing-Akademie zu Berlin oder dem Deutschen  Sinfonieorchester Berlin sowie von Ensembles wie The Hilliard Ensemble nachgefragt.

    Im pädagogischen Bereich verbindet sie eine langjährige Arbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover sowie der Hochschule für Musik Detmold. Im Rahmen der Förderung von Frühbegabten gibt sie dort Seminare und Workshops für Komposition und Neue Musik. Innerhalb dieser Tätigkeit entwickelte sie innovative Methoden für den Kompositionsunterricht mit Kindern und Jugendlichen, wie zum Beispiel das „Tastenlineal“. Erstmalig ist sie bei KLANGRADAR BERLIN im Schuljahr 2016/17, 2. Halbjahr, dabei und komponiert mit der Klasse 4f der Anna-Lindh-Schule Berlin-Wedding.

     

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  • Eliana SchülerRegisseurin im Schuljahr 2016/17
    Eliana Schüler

    Die gebürtige Hamburgerin Eliana Schüler, zog es nach ihrem Abitur zunächst für ein Jahr nach Johannesburg, Südafrika, wo sie für das Programm drama for life an der Witwatersrand-Universität arbeitete. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Auch während ihres Studiums wirkte sie in Johannesburg lange Zeit in verschiedenen Projekten im Bereich des „applied theatre“ mit. Darüber hinaus arbeitete sie mehrere Jahre für das Theater der Unterdrückten Wien, wo sie neben der Koordination von Veranstaltungen (diversi.T.O., sex matters Festival) auch erste Regieerfahrungen sammelte und bei PROSA –Projekt Schule für Alle Theaterunterricht für jugendliche Geflüchtete gab.

    Von 2014 bis 2016 studierte Eliana Schüler im Masterstudiengang Theaterpädagogik an der Universität der Künste Berlin. Während ihres Studiums erweiterte sie ihre Erfahrungen durch verschiedene Hospitanzen, u.a. am Deutschen Theater Berlin. Ihren Abschluss erhielt sie mit dem intergenerationellen Recherchetheaterprojekt Warum. Erinnern im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße in Berlin-Tempelhof (Co-Regie mit Friederike Falk). Seitdem ist sie als freischaffende Theaterpädagogin national wie international tätig, unter anderem für das Theater Konstanz, HAJUSOM – Transnationale Künste und KLANGRADAR BERLIN.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ­ Kompositionslabor Schule 2016/17, 2. Halbjahr, ist Eliana Schüler erstmalig dabei und erarbeitet mit Oana Cirpanu in partizipativen Prozessen mit den beteiligten Schulklassen eine Inszenierung für das Abschlusskonzert in der Akademie der Künste.

    Was ist für Sie das Besondere daran, szenisch mit Kindern zu arbeiten? Worin unterscheidet sich die Arbeit von der mit Erwachsenen?

    Kinder sind häufig neugieriger und lassen sich unbefangener auf Neues ein. Gleichzeitig artikulieren sie häufig auch direkter, was sie interessiert oder langweilt. Mit Kindern zu arbeiten bedeutet für mich immer, ein sehr direktes Feedback zu bekommen. Ihre Reaktionen auf meine Angebote machen schnell klar, ob ich es geschafft habe, ihnen einen Raum anzubieten, in dem sie sich ausprobieren können und dazu angeregt werden, selbst gestalterisch tätig zu werden.

    Die Kinder der drei Klassen, mit denen wir im Projekt KLANGRADAR BERLIN arbeiten, erlebe ich als sehr engagiert. Ich war beeindruckt davon, wie sie einerseits gemeinsam mit den Komponist/innen eine je eigene Interpretation des Themas gefunden haben und sich darüber hinaus auf die szenische Arbeit mit Oana Cirpanu und mir eingelassen haben.

    Wie gehen Sie bei der Entwicklung Ihrer szenischen Ideen vor?

    Ausgehend von einem bestimmten Thema lasse ich mich zunächst von möglichst vielen Einflüssen inspirieren. Auf Basis meiner ersten konzeptionellen Ideen, entwickle ich Übungen und Spiele, durch die die Teilnehmenden beginnen können, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, eigene Ideen und Perspektiven zu entwickeln und selbst gestalterisch tätig zu werden. Für gewöhnlich gliedere ich meine Arbeit in eine erste Phase der Recherche und Materialsammlung und eine zweite Phase der szenischen Verdichtung, die dann auf die Aufführung hinarbeitet.

    Gibt es eine Besonderheit (oder einen Unterschied zu anderen Theaterarbeiten) bei der Inszenierung von „Kompositionen“?

    Bei KLANGRADAR war für mich in erster Linie neu, dass meine Aufgabe in der Zusammenführung von Kompositionen bestand, an deren Entwicklung ich nicht teilgenommen habe. Aus dem „Material“ der Komponist/innen einen gemeinsamen Abend zu gestalten, der in sich schlüssig ist und gleichzeitig Raum für die Besonderheiten der Arbeiten jeder Klasse hat, war für mich eine neue und spannende Herausforderung.

    Bei der Inszenierung von Kompositionen gibt es natürlich Unterschiede zur Inszenierung von Text oder Bewegung, andererseits gibt es immer mehr Formate, die spartenübergreifende Performances entwickeln. Bei KLANGRADAR war die Herausforderung, den Kompositionen den „großen Auftritt“ zu lassen und sie gleichzeitig um szenische Elemente zu erweitern. Toll war in der Zusammenarbeit, dass von den Komponist/innen der Aspekt der Aufführung und der Inszenierung im Raum sehr stark mitgedacht wurde und teilweise auch sehr „bewegte“ Kompositionen entstanden sind.

    Was begeistert Sie an KLANGRADAR BERLIN am meisten?

    Zum einen begeistert mich die Offenheit der Kinder für die Klangforschung, aber auch für unsere szenischen Aufgaben. Zum anderen begeistert mich die Arbeit der Komponist/innen und ihrer Teams, die den Kindern den Raum geschaffen haben, unfassbar spannende und vielfältige Klangwelten zu gestalten. Zentral waren für mich auch die Konzeptionstreffen mit den Komponist/innen, in denen wir gemeinsam daran gearbeitet haben, Klang und Szene so stark wie möglich zu verschränken.

    An welchen Projekten arbeiten Sie über KLANGRADAR hinaus noch?

    Der momentane Schwerpunkt meiner Arbeit ist eine wissenschaftliche Tätigkeit im Forschungsprojekt transform – Transformative Bildungsprozesse in performativen Projekten an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medienpädagogik der Universität Potsdam.

    Als Theaterpädagogin arbeite ich darüber hinaus in verschiedenen Projekten – sowohl mit Kindern, Jugendlichen als auch Erwachsenen. Ein Schwerpunkt meiner Theaterarbeit liegt auf der Arbeit im „Nord-Süd-Austausch“. Aktuell leite ich gemeinsam mit vier Kolleg/innen aus der Schweiz und Togo ein Gefängnistheaterprojekt, das zwischen April und Oktober in fünf Städten Togos stattfindet.

  • Oana CirpanuRegisseurin im Schuljahr 2016/17

    Oana Cirpanu, geboren 1989 in Timisoara, Rumänien, lebt und arbeitet seit 2013 als freischaffende Theaterpädagogin in Berlin. Sie studierte Bildungswissenschaften (B.A.) an der Universität Wien und Theaterpädagogik (M.A.) an der Universität der Künste Berlin.

    Als Theaterpädagogin war sie vor allem international tätig, unter anderem als Spielleiterin im Feriencamp „Inclouyoude“, ein Projekt für Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung des Wiener Vereins für interkulturellen Austausch „Grenzenlos“. Ebenso wirkte sie im Theaterferienkurs für Kinder „Mehr als Ferien am Theaterspektakel“ des Jungen Schauspielhaus‘ Zürich mit. Darüber hinaus blickt sie auf die jahrelange Arbeit im Verein KAMA in Wien zurück, in dem Migrant/innen, Geflüchtete und Asylsuchende Kurse und Veranstaltungen anbieten. Dort arbeitete sie mit geflüchteten Menschen zusammen und konzipierte diverse „KAMA- Theaterprojekte“ für Kinder gemeinsam mit dem iranischen Regisseur Mohammad Khoshamooz. Als Regisseurin war sie ebenso auch für die Inszenierung FЯɐU – jeder Buchstabe ist mir (un)vertraut an der „Vaganten Bühne“ in Berlin verantwortlich und arbeitete zudem als Produktionsassistentin am Theater „Hebbel am Ufer“ in Berlin im Rahmen des Jugendtheaterfestivals „We like China and China likes us“.

    Im zweiten Halbjahr KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule 2016/17 entwickelt Oana Cirpanu gemeinsam mit Eliana Schüler die Inszenierung des Abschlusskonzerts am 30. Juni 2017 auf der Bühne der Akademie der Künste.

    Was ist für Sie das Besondere daran, szenisch mit Kindern zu arbeiten? Worin unterscheidet sich die Arbeit von der mit Erwachsenen?

    Die Kinder, mit denen wir im Projekt KLANGRADAR BERLIN arbeiten, sind sehr engagiert und offen für unsere Vorschläge. Ich hatte große Lust und auch viel Spaß daran, ein Konzept für das Projekt zu entwickeln und freue mich, dass es von den Kindern positiv angenommen wurde. Im Gegensatz zu der Arbeit mit Erwachsenen, lassen sich Kinder sehr schnell und spielerisch auf die Theaterproben ein, brauchen gleichzeitig Struktur und klare Regeln, innerhalb derer szenisch und musikalisch geprobt und geforscht werden kann.

    Wie gehen Sie bei der Entwicklung Ihrer szenischen Ideen vor?

    Gemeinsam mit Eliana Schüler habe ich zuerst ein szenisches Konzept entwickelt. Danach haben wir dieses Konzept gemeinsam mit den Kindern im Unterricht erprobt, um dann zu entscheiden, was unsere nächsten Schritte sind. Ich lege großen Wert auf einen partizipativen Ansatz in meiner Arbeit. Die Regiearbeit ist für mich ein fluider Prozess, in dem Ideen durch die Beteiligten weiterentwickelt, aber auch wieder verworfen sowie neue Ideen entstehen können. Diesen kreativen Fluss empfinde ich als sehr spannend und reizvoll.

    Gibt es eine Besonderheit (oder einen Unterschied zu anderen Theaterarbeiten) bei der Inszenierung von „Kompositionen“?

    Die Besonderheit an diesem Projekt ist die Zusammenarbeit mit den Komponist/innen. Ich bekomme einen Einblick in die kompositorische Arbeit und erlaube mir, dies durch szenische Elemente zu erweitern. Dadurch bekommt die Aufführung eine Mehrdimensionalität: Es wird nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf theatraler Ebene geforscht und inszeniert.

    Was begeistert Sie an KLANGRADAR BERLIN am meisten?

    Die Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Eliana Schüler ist sehr fruchtbar und das gemeinsame Entwickeln szenischer Ideen mit den Kindern macht mir großen Spaß. Darüber hinaus empfinde ich die Arbeit der Komponist/innen als sehr wertvoll und freue mich über diesen Einblick in eine sehr besondere Form eines szenisch-musikalischen Vorhabens.

    An welchen Projekten arbeiten Sie über KLANGRADAR hinaus noch?

    Ich arbeite als Theaterpädagogin in verschiedenen Projekten mit Kindern und Erwachsenen. Zuletzt habe ich ein Projekt zum Thema „Tanz_Erinnerungen“ mit Frauen mit und ohne Fluchterfahrung durchgeführt. Es ist ein Projekt des GRIPS Theaters in Kooperation mit einer Berliner Notunterkunft. Darüber hinaus leite ich den jährlich stattfindenden Kinderferienkurs des „Zürcher Theater Spektakel“, ein Festival des Jungen Schauspielhaus‘ Zürich.

  • Sofia BorgesKomponistin im Schuljahr 2016/17
    © Maria Leonardo

    Sofia Borges wurde in Lissabon geboren und studierte dort zunächst Schlagzeug und Perkussion am Nationalen Konservatorium sowie an der Luís Villas-Boas Jazz School. Als Perkussionistin entdeckte sie ihr Interesse für Volks- und Jazzmusik und ließ dieses in internationale CD-Produktionen mit einfließen.

    Nach einer Weiterbildung in Musikpädagogik war Borges Dozentin bei Tocá Rufa, einer Initiative zur Vermittlung und Förderung der traditionellen portugiesischen Percussion. Außerdem war sie Musiklehrerin im Bereich der musikalischen Früherziehung und Leiterin eines Orff-Orchesters einer Grundschule in Lissabon.

    Später widmete sie sich der Komposition und studierte zunächst an der Escola Superior de Música de Lisboa. 2012 schloss sie ihren Master in “Multimediale Komposition“ an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ab. Die Bandbreite ihrer Kompositionen erstreckt sich von Kammer-, Orchester-und Vokalmusik bis hin zu Theater-, Tanz-und Multimediaperformances und Installationen.

    Sofia Borges war in den letzten zwanzig Jahren sowohl als Komponistin, Interpretin und Sounddesignerin an einer Vielzahl von Projekten beteiligt. Sie arbeitet darüber hinaus als Interpretin der sogenannten Live-Elektronik, als Performerin, Instrumentenbauerin und Dozentin. Ihr Interesse gilt der interdisziplinären Arbeit und der Verschmelzung unterschiedlicher Genres und Materialien, musikalischen Traditionen und Technologien.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ist Sofia Borges bereits zum zweiten Mal dabei und komponiert im Schuljahr 2016/17 mit den Schüler/innen aus der Mark-Twain-Grundschule. Im 1. Halbjahr von KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule 2015/2016 komponierte sie mit der Klasse 6a der Evangelischen Schule Neukölln.

     

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    Sofia Borges über sich selbst: Ich bin in Portugal aufgewachsen. Ich wollte seit ich Kind war Musikerin werden. Also habe ich angefangen Schlagzeug zu spielen und später am Konservatorium klassisches Schlagzeug gelernt. Ich habe aber auch viel Volksmusik und Jazz gespielt, was ich dann in Lissabon auch studiert habe. Dort hatte ich einen sehr guten Lehrer, der mir komponieren beigebracht hat. Ich war begeistert von diesem Lehrer und daraufhin habe ich angefangen selber zu komponieren. In den letzten Jahren habe ich mit vielen Musikern auf der Welt zusammengespielt.

    Seit wann komponieren Sie mit dieser Klasse?

    Seit Anfang August. Heute ist die vierte Stunde.

    Wie war der Einstieg in das Projekt? Wie haben Sie den Kindern erklärt was Sie in den kommenden Monaten zusammen machen werden?

    Ich habe zusammen mit Burkhard Friedrich Klangradar vorgestellt und die Kinder konnten dann entscheiden, ob sie daran teilnehmen wollen.

    In der ersten Stunde haben wir dann angefangen Musik zu spielen. Die Kinder haben Gläser und Schrauben bekommen und sollten damit einen Klang machen und der Klasse vorstellen, welcher Klang mit diesen Materialien möglich ist.

    War das für die Kinder sehr befremdlich?

    Nein, sie waren sehr engagiert und haben viele verschiedene Klänge vorgestellt!

    Was heißt es für Sie Musik zusammen mit Kindern zu erfinden? Was reizt Sie daran?

    Im klassischen Musikunterricht hatte ich Noten vor mir und musste diese nachspielen.

    Und auch die Kinder hier im Unterricht sind gewohnt, dass man mit klassischen Instrumenten, wie Geige oder Gitarre, klassisch notierte Musik spielt. Hier bei KLANGRADAR BERLIN machen wir nun etwas sehr anderes: Die Kinder sollen sich zunächst überlegen welche Klänge sie hören wollen, und sie sollen die Klänge nicht auf Instrumenten, sondern auf Gegenständen erzeugen.

    Dirigenten sagen manchmal zu den Orchestermusikern: „Ihr müsst die anderen hören!“ Doch, dort ist der Klang, dem man zuhören soll, schon da, er ist bereits aufgeschrieben. Ich glaube echtes Zuhören können wir lernen, wenn noch kein Klang produziert ist und es an uns selber liegt, welcher Klang ertönt, welchen Klang wir hören wollen.  Zuhören hat viel mit Achtsamkeit zu tun, es geht von einem selber aus. Das möchte ich mit den Kindern hier erfahren.

    Wenn ich etwas höre, habe ich aber doch meistens schon Erwartungen. Wenn sich die Kindern nun fragen, was sie hören möchten, was ist das dann?

    Wenn ich die Kinder das frage, antworten sie oft: „Das!“ und machen ein Geräusch. Wenn ich dann den Eindruck habe, dass sie nicht genau hin hören, dann vergleichen wir verschiedene Geräusche, damit sie sich auf den Klang konzentrieren und ein Gefühl für Differenzen bekommen. So können sie zwischen unterschiedlichen selbstproduzierten Klängen auswählen, welches ihnen am besten gefällt.

    Was wird in den kommenden Wochen noch passieren?

    Wir fangen jetzt schon an zu komponieren. Ich habe auch einige Ideen für eine Abschlusskomposition, die ich mit den Kindern ausarbeiten möchte. Heute haben wir eine Übung gemacht und anschließend schon eine Bühnensituation simuliert. Dabei gab es eine wichtige Regel: keine Korrekturen, keine Kritik, sondern erst einmal zuhören. Es ging darum einen Zwischenstand zu präsentieren, ein „Work in Progress“ – für viele Kinder ist das neu. Sie kennen aus der Schule, dass sie nur fertige Arbeiten präsentierten sollen und nur selten ergebnisoffen an eine Sache herangehen dürfen. Auf diese Weise werden auch Zwischenschritte wertvoll. Das kennen viele Kinder noch nicht.

    Das Interview führte Katharina von Radowitz.

  • Thomas MeierKomponist im Schuljahr 2016/17
    Portrait von Thomas Meier © Thomas Meier

    Thomas Meier wurde 1966 geboren, hat zunächst Elektrotechnik studiert und dann mehrere Jahre lang als Geschäftsführer eines Ladengeschäfts für Kletterer- und Outdoor-Bedarf gearbeitet. Bei seiner Arbeit als Alpenvereins-Ausbilder hatte er sich ein fundiertes Wissen in der Pädagogik und Didaktik angeeignet, bevor er beschloss, seiner eigentlichen Leidenschaft, der Musik, zu folgen. Er studierte Sound Studies an der Universität der Künste in Berlin und hat an verschiedenen Klangperformances und Ausstellungen teilgenommen.

    Beim Jugendclub der Deutschen Staatsoper in Berlin konnte er als musikalischer Leiter Erfahrungen sammeln und entdeckte sein Interesse daran, auch mit Laien künstlerische Projekte zu konzipieren und zu realisieren. Seine Arbeit ist von performativen Präsentationsformen und hochwertigen Aufnahmetechnik geprägt. Vor allem interessiert er sich für elektronisch erzeugte Klänge, komponiert unter dem Pseudonym TM Solver als Solist und performt mit den beiden bildenden Künstlern Daniel Door und Stefan Römer.

    In der Ausgabe KLANGRADAR BERLIN-Kompositionslabor Schule 2016/2017 komponiert Thomas Meier zusammen mit den Kindern aus der Schule in der Köllnischen Heide. Bereits bei KLANGRADAR BERLIN-Kompositionslabor Schule ist Thomas Meier im 2. Halbjahr des Schuljahres 2015/2016 mit der Klasse JÜL 4-6c der Rudolf-Wissell-Grundschule sowie mit der Klasse 5c der Thalia-Grundschule auf Klangforschungsreise gegangen. Bereits im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2014/2015 begleitete er als Komponist die Klasse 6a in der Adolf-Glaßbrenner Grundschule Kreuzberg in der Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN – Die Grünlinge.

    Hatten Sie ein bestimmtes, musikalisches Erlebnis, das Ihr musikalisches Denken beeinflusst hat?

    Im Alter von elf oder zwölf Jahren kam ich in Kontakt mit der Musik von Jean-Michel-Jarre, der zu den Pionieren Elektronischer Musik zählt. Diese Musik gefiel mir damals sehr gut und ich beschäftigte mich immer stärker damit. So kam ich letztendlich auch zur Neuen Musik und zur musique concrète, zu Karlheinz Stockhausen, Steve Reich etc. Mit diesen Hörerfahrungen veränderte sich mit der Zeit mein Bewusstsein für Klänge verschiedenster Art. Das möchte ich auch in einem Projekt, wie KLANGRADAR BERLIN besonders gerne weiter vermitteln.

     

    Sie sind ja schon zum zweiten Mal bei KLANGRADAR BERLIN dabei. Was denken Sie, wie sich das Projekt seit Ihrem Einstieg entwickelt hat?

    Ich denke, dass KLANGRADAR BERLIN komplexer geworden ist, vor allem auch durch die szenische Arbeit mit den Regisseur/innen der Jungen Staatsoper. Das gibt den Abschlussaufführungen nochmals eine neue Qualität. Das Erlebnis auf der großen Bühne in der Akademie der Künste ist für die Kinder etwas ganz Besonderes. Da fühlen sie sich gehört und ernst genommen. Der Konzertort Akademie der Künste trägt wesentlich zur Qualität der Abschlussaufführung bei, weil dadurch für die Kinder, für die Lehrkräfte und auch für die Eltern, die sich den Auftritt ihrer Kinder anschauen, auch die Ernsthaftigkeit des Projektes spürbar und deutlich wird.

     

    Wie gehen Sie methodisch bei der Entwicklung der Kompositionen im Unterricht vor?

    Zu Beginn des Projekts versuche ich, die Kinder an diese experimentelle Art von Musik auf eine „leichte“ Weise heranzuführen. Dies gelingt sehr gut mit Spielen, mit denen ich bei den Kindern ein Bewusstsein für Klänge und Geräusche wachrufen kann. Im Anschluss erkläre ich den Kindern mein Spezialgebiet: die elektronischen Musikinstrumente. Hier erkläre ich ihnen die Funktionsweisen, aber auch die Vielfalt dieser Instrumente. Ferner liefere ich den Kindern auch einen kleinen geschichtlichen und theoretischen Hintergrund zur Entstehung der Elektronischen Musik. Es macht den Kindern unglaublich viel Spaß, zum Beispiel kleine Synthesizer in ihre Kompositionen zu integrieren. Da können sie viel ausprobieren. Darüber hinaus beziehe ich sehr gerne und oft auch das orffsche Schlagwerk in die Kompositionsarbeit mit ein.

     

    Was ist für Sie das Besondere am experimentellen Komponieren mit Kindern? Und worin unterscheidet sich diese Arbeit von der Arbeit mit Erwachsenen?

    Das Besondere am experimentellen Komponieren mit Kindern ist vor allen Dingen die Offenheit, mit der die Kinder an das neue Musikerlebnis herangehen und ein Verständnis dafür entwickeln. Jugendliche oder auch junge Erwachsene haben in der Regel bereits eine vorgefertigte Meinung über Musik. Sie stehen oft der klanglichen Herangehensweise kritischer gegenüber.

     

    Was begeistert Sie an diesem Projekt am meisten?

    Am meisten begeistert mich, wie die Kinder sich dieser neuen Art der Musik und dem Komponieren, trotz ihrer anfänglichen Skepsis, öffnen und dass es am Ende jedes Halbjahres zu einem großen Auftritt mit ihren eigenen gemeinsamen Werken kommt. Besonders spannend ist für mich auch die Entwicklung der Kinder zu beobachten, wie sie nach und nach ein Interesse für die Experimentelle Musik und das Komponieren entwickeln. Sie lernen Stück für Stück, eigene künstlerische Entscheidungen für sich und innerhalb der Gruppe zu treffen und diese auch ernst zu nehmen. Diese Erfahrungen begreifen die Kinder vor allem auch durch das Abschlusskonzert als extrem wichtig für sich und das ist etwas sehr Besonderes in diesem Projekt.

     

    An welchen Projekten arbeiten Sie über KLANGRADAR BERLIN hinaus noch?

    Ich habe 2015 mit einer neunten Klasse des Diesterweg – Gymnasiums in Berlin-Mitte ein Projekt zur Musique concrète durchgeführt. Am Ende des Projekts wurden die erarbeiteten Stücke der Jugendlichen zu einer CD-Produktion zusammengestellt; übrigens auch ein Projekt, das wie KLANGRADAR BERLIN vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert wurde.

     

    Die Fragen stellte Anna Peters.

  • Krystoffer DrepsKomponist im Schuljahr 2016/17
    © Jos Lammerts

    Krystoffer Dreps, Jahrgang 1982, zog nach dem Abitur in Unna nach Berlin, um dort zunächst Schulmusik und Politikwissenschaften zu studieren. Nach einigen mehrmonatigen Aufenthalten auf dem amerikanischen Kontinent wechselte er 2007 nach Leipzig, um dort ein Diplom in Jazztrompete sowie Musikpädagogik abzuschließen. Anschließend folgten ein Master in Tonsatz sowie ein weiterer in Komposition. Seit 2013 arbeitet er als Lehrbeauftragter für die Fächer Tonsatz, Gehörbildung und Improvisation an den Musikhochschulen in Leipzig und Osnabrück im Bereich klassische Musik. Seit 2015 auch in Münster mit Spezialgebiet Popmusik. Zudem war er an verschiedenen Musikschulen und privat als Lehrer für Trompete, Musiktheorie und Gitarre sowie als Dozent beim bundesweiten Kids Jazz Festival tätig und widmete sich hier insbesondere der musikalischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dazu zählt auch seine Zeit als Musiklehrer an einer Berliner Grundschule.

    Darüber hinaus ist er als freischaffender Komponist und Produzent (Kübel&Fylter) in verschiedenen Genres tätig.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ist Krystoffer Dreps bereits zum zweiten Mal dabei und komponiert im Schuljahr 2016/17 mit den Schüler/innen aus der Süd-Grundschule. Im 1. Halbjahr von KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule 2015/2016 komponierte er mit der Klasse 5c der Miriam-Makeba-Grundschule.

     

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    Krystoffer Dreps über sich selbst:

    Ich bin freischaffender Komponist und Trompeter. Musikalisch bin ich in drei Welten gleichzeitig unterwegs. In der Jugend noch Rockgitarrist, habe ich dann später Klassik und Jazz studiert und schreibe für beide Musiken mit einem „Rock-Hintergrund“ und hoffe dass es irgendwann mehr eins wird, statt immer bei den Polen angesiedelt zu sein.  Die Arbeit bei KLANGRADAR BERLIN reizt mich, weil ich Klangforschung für sehr wichtig halte und ich hier für mich die Möglichkeit sehe, Klangforschung auf einer ganz basalen Ebene zu erleben. Es gab bei den Schülerinnen und Schülern schon Sounds, die so spannend klangen, dass ich gedacht habe; die will ich selber mal für eigene Stücke verwenden!

    Haben Sie schon einmal mit Kindern in der Schule komponiert?

    Komponiert wie hier bei KLANGRADAR BERLIN habe ich noch nicht in der Schule. Aber ich habe schon als Vertretungslehrer in einer Grundschule Klangforschung betrieben, mit Kindern der 4. bis 6. Klasse. Dort hatte ich völlig freie Hand und habe alles Mögliche gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ausprobiert: Da haben wir zum Beispiel die Federmappe von jedem klanglich durchleuchtet.

    Was haben Sie heute hier in der Miriam Makeba Schule im Unterricht gemacht?

    Es ging heute um zwei Dinge.

    Zum Einen: Wir nehmen das diesjährige Thema KLANGRADAR BERLIN „Handy + Internet= Miteinander?“ ziemlich wörtlich. Gerade geht es um das Handy: Wir haben in den letzten Stunden erforscht, welche Bewegungen man mit dem Handy machen kann. Neben dem Wischen und Tippen, das einem sofort einfällt, gibt es noch eine Reihe anderer Möglichkeiten. Diese Bewegungen (übertrieben und vergrößert) haben wir heute auf traditionelle Instrumente übertragen. Zuvor haben wir bereits auf verschiedenen anderen Materialien ausprobiert und geschaut, was das für Klänge produziert: am Körper, auf dem Tisch, mit Büchern.

    Heute war die erste Stunde, wo wir genau das auch auf „klassischen“ Instrumenten versucht haben. Die Idee war, nicht nur die Verbindung zum Handy herzustellen, sondern auch, dass konventionelle Instrumente nicht konventionell benutzt werden: Wie kann ich Klang erzeugen, ohne das zu tun, was man normalerweise damit tut? Am Anfang haben alle mit dem Schlegel auf das Xylophon geschlagen. Mit der Zeit, auch durch die Kommunikation in der Gruppe haben die Kinder verstanden, dass es um das „Anders Machen“ geht, um Sensibilität für neue Klänge.

    Zum anderen haben wir uns heute damit beschäftigt, wie wir das, was wir in der Gruppe als Klang erarbeitet haben, „aufschreiben“ oder festhalten. Wir haben in den letzten Stunden verschiedene Formen von Partitur-Schrift ausprobiert, mit Karten und Zeichen. Heute hatte jeder ein eigenes farbiges Papierstück und konnte dies auf eine X/Y Achse legen. So konnte jeder entscheiden, wann und mit wem er spielt. Dadurch hatten wir eine starke visuelle Kopplung von Komposition und Spiel.

    Ich habe gesehen, dass in einigen Gruppen von den Schülern sehr engagiert diskutiert wurde, was gut und was schlecht lief und wo und wie sie etwas verbessern können. Dort ging es beispielsweise auch um die Abstimmung des gemeinsamen Spiels auf leise Klänge.  Wie ist das Verhältnis zwischen dem eigenen Entdeckungsdrang der Schüler und Ihrer Funktion als Komponist, als „Lehrer“?

    Generell ist mein Ziel, möglichst wenig zu intervenieren. Aber ab und zu muss es einen klaren Hinweis von mir geben, weil es immer Schüler gibt, die mit ganz anderen Sachen vertraut sind und sich schwer in die Übung hineindenken können. Der tiefere Lerneffekt entsteht natürlich dann, wenn die Schüler selbst auf bestimmte Dinge stoßen. Heute habe ich eigentlich viel zu viel intervenieren müssen. Das lag aber daran, dass sich die Schüler in einer der Gruppen nicht verstanden haben. Das war also ein außermusikalisches Problem. Es gab aber auch Probleme auf der musikalischen Ebene; Einige Schüler hatten die Aufgabenstellung nicht ganz verstanden und sich nicht auf die eben beschrieben Weise mit dem Instrument auseinandergesetzt. Das ist allerdings nicht selten so…diese Schwierigkeiten gibt es ja in allen Fächern.

    Wie geht es in den folgenden Wochen weiter? Bauen Sie auf die Übungen aus der heutigen Stunde auf?

    Sowohl, als auch. Die heutige Stunde wird noch einmal thematisiert werden, weil viele musikalische Aspekte in der kurzen Zeit von einer Unterrichtsstunde gar nicht besprochen werden konnten; wie zum Beispiel Übergänge oder Klangdifferenzierung, also die Abstimmung eines lauten und eines leisen Klanges aufeinander.

    Das Thema „Bewegung“, womit wir uns heute beschäftigt haben, ist eines von drei Themenschwerpunkten. Es geht neben der „Bewegung“ auch um das „Ich“ und um das „Ihr“.  Beim „Ich“ wird es darum gehen, wie reagiere ich, wie wirken Sachen auf mich und wie kann ich mich klanglich in Szene setzen? Dort spielt die eigene Stimme eine wichtige Rolle. Beim „Ihr“ geht es um die Rezeption der „Anderen“ und die Wirkung auf das Selbst. Dort werden wir mit Text und Sprache arbeiten. Am Ende führen wir diese drei Themen zusammen und sind dann beim Thema „Kommunikation“.

    Das Interview führte Till Dahlmüller.

     

  • Therese UlrichRegisseurin im Schuljahr 2016/17
    © Christian Spielmann

    Therese Ulrich ist freischaffende Regisseurin, Autorin und Videojournalistin in Berlin. Nach ihrem Studium des Kommunikationsdesigns arbeitete sie langjährig als freie Fernsehjournalistin und Autorin für den Bereich Kultur und Zeitgeschehen beim NDR in Hamburg und für weitere öffentlich-rechtliche Sender sowie für diverse Filmproduktionsfirmen. Darüber hinaus bietet sie Trainings für Medienpräsenz an.

    Seit 2010 konzipiert und realisiert sie als Regisseurin Filmaufträge über ihr eigenes Label „Springfilm-Produktion“, unter anderem für den Landesmusikrat Hamburg, die Kulturstiftung „Feldtmann kulturell“ oder chiffren-Forum für zeitgenössische Musik Schleswig-Holstein. Therese Ulrich schreibt zudem Drehbücher, die sie auch als Regisseurin realisiert. Bereits während ihrer Studienzeit wirkte sie an ersten Spielfilmproduktionen mit und verfasste ihr erstes Drehbuch für den Kurzfilm „Träumer“, ebenso wie für den Kinderkurzfilm „Mönche jagen“. Dabei liegt der Fokus ihrer Arbeit auf der Entwicklung und Umsetzung von gestalterischen Konzepten.

    Therese Ulrich liebt die Zusammenarbeit mit Kindern und war bereits 2015 Dramaturgin bei „KLANGRADAR BERLIN-Die Grünlinge“. Dort begleitete sie die Kinder der JÜL 4-6 der Rudolf-Wissell-Grundschule bei ihrem Kompositionsprozess, die Inspiration in der von Ulrich verfassten Kindergeschichte „Die Grünlinge“ fanden. Unter ihrer Anleitung erarbeiteten die Kinder ein musikalisches Konzept zu dem Kapitel „Timos Traum“. Im aktuellen Durchlauf von „KLANGRADAR BERLIN-Kompositionslabor Schule 2016/17“ wirkt sie durch die Kooperation mit der Jungen Staatsoper Berlin als Regisseurin mit und entwickelt ein Regiekonzept für das schuljahrübergreifende Thema „Das Fremde=Das Eigene?“

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    Was ist für Sie das Besondere daran, szenisch mit Kindern zu arbeiten? Worin unterscheidet sich die Arbeit von der mit Erwachsenen?

    Die szenische Arbeit mit Kindern macht mir zuallererst einmal sehr viel Spaß! Und es ist eine Bereicherung für mich. Ich lerne bei der Arbeit viel von den Kindern. Von ihren Ideen, ihrer Neugier, ihrer Aufgeschlossenheit und ihrer Freude am Spiel. Grundsätzlich gibt es aber keinen Unterschied. Ich finde es wichtig, sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen ernst zu nehmen. Entsprechend vorbereitet und klar zu sein, niemanden zu überfordern, aber vor allem niemanden zu unterfordern.

    Wie gehen Sie bei der Entwicklung Ihrer szenischen Ideen vor?

    Die Entwicklung meiner szenischen Ideen läuft immer nach demselben Muster ab. Ich arbeite als Regisseurin ja in ganz unterschiedlichen Bereichen. Ob für freie Filmprojekte, filmische Auftragsarbeiten oder bei diesem Projekt KLANGRADAR BERLIN: Ich sammle zunächst einmal möglichst viele Informationen, nähere mich von verschiedenen Seiten dem Thema, daraus entwickele ich das Konzept und daraus die visuelle Umsetzung. Und diese wird dem jeweiligen Medium, der äußeren Form angepasst und den äußeren Umständen, wie Budget, Zeit usw. Das Thema selbst wird im Lauf meiner Arbeit mehr und mehr abstrahiert. Ich finde es am schönsten, wenn eine Umsetzung möglichst viele Ebenen hat, die nicht unbedingt von jedem erkannt werden müssen. Aber sie sind da und geben dem Ganzen Tiefe und Struktur.

    Zum zweiten Mal in der KLANGRADAR BERLIN-Geschichte werden die Kompositionen inszeniert: Hat sich seit dem etwas verändert?

    Ich bin zum ersten Mal mit der Inszenierung einer Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN in dieser Form beauftragt, von daher kann ich keine Vergleiche ziehen. Ich finde es grundsätzlich schön, dass die Kinder ihre Kompositionen auf die Bühne bringen und daneben Möglichkeiten kennenlernen, die so eine Bühne sonst noch bietet, wie szenische Gestaltung mit Licht, Kostüm, Ausstattung. Diese Aufführung für die mitwirkenden Kinder so besonders und unvergesslich zu machen wie möglich, ihnen einen nachhaltigen Eindruck zu vermitteln, was es bedeutet „auf der Bühne zu stehen“, das ist die Aufgabe und gleichzeitig für mich die Herausforderung, denn unsere Probenzeit ist knapp bemessen.

    Mein szenisches und zugleich inhaltliches Ziel bei KLANGRADAR BERLIN ist es, dass die Kinder der unterschiedlichen Schulen miteinander in Kommunikation treten, dass die Auftritte der drei Klassen der drei Schulen sich miteinander verknüpfen und verbinden und, dass zum großen Finale alle Mitwirkenden gemeinsam auf der Bühne agieren, also „sich das Fremde zu eigen machen“.

    Was begeistert Sie an diesem Projekt am meisten?

    Es ist ein Projekt mit großer Freiheit in der Konzeptentwicklung und in der Umsetzung, mit einem spannenden Thema „Das Fremde=Das Eigene?“ und tollen Teams. Es ist ein kreativer Prozess zwischen Kindern und Komponistinnen und Komponisten, mit Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer. Ein Raum für Entfaltung. Und für mich persönlich auch eine sehr schöne Zusammenarbeit mit Stella Gkrigkovits und mit allen Beteiligten!

    An welchen Projekten arbeiten Sie über KLANGRADAR BERLIN hinaus noch?

    Ich arbeite in der Regel an verschiedenen Projekten gleichzeitig, Auftragsarbeiten und freie Projekte. Eine Thematik, die mir sehr am Herzen liegt und mit der ich mich schon länger beschäftige, sind die Erlebnisse einer jungen Geigenstudentin im Sommer 1944. Gemeinsam mit drei Kommilitoninnen fährt sie nach Rumänien, um dort die Soldaten musikalisch zu unterhalten. Die Geigenstudentin von damals ist mittlerweile 93 Jahre alt. Da befinde ich mich seit einiger Zeit in der sehr spannenden Phase der Sammlung von Erinnerungen und weiterem relevantem Material. In welcher Form dieses Thema umgesetzt wird, ist noch offen. Auch ein schönes Stadium innerhalb eines Projekts: Alles ist möglich!

    Das Interview führte Selin Altintel.

  • Stella GkrigkovitsRegieassistentin im Schuljahr 2016/17
    © Eleftheria Kalpenidou

    Die aus Athen stammende Stella Gkrigkovits schloss 2006 ihr Studium der Philosophie und Pädagogik an der Aristoteles Universität Thessaloniki erfolgreich ab. Dort performte sie auch lange Zeit als Mitglied der Musiktheatergruppe „Μusik Polytropo“. Seit 2014 studiert sie als Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Masterstudiengang Theaterpädagogik an der Universität der Künste Berlin.

    Stella Gkrigkovits befasst sich viel mit Gesang, wirkte in vielen Musiktheaterprojekten mit und war zudem Mitbegründerin des griechischen Vocalensembles „Pleiades Vocal Group“, in dem sie noch heute aktiv ist.

    Von 2010 bis 2012 absolvierte sie zudem eine Ausbildung für Gehörlosenpädagogik am „KENG-Zentrum für griechische Gebärdensprache“ in Thessaloniki. In dieser Zeit arbeitete Stella Gkrigkovits als Gruppenleiterin bei der Artistengruppe „Anemoskorpismata“ in Thessaloniki, wo sie kultur- und freizeitpädagogische Kinderveranstaltungen konzipierte. Stella Gkrigkovits engagiert sich ebenfalls in sozialpädagogischen Projekten für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen, wie beispielsweise beim „Yuppi Camp“ in Chalkidiki, Griechenland. Neben der Spielleitung theaterpädagogischer Angebote übernahm sie dort auch die psychologische und soziale Betreuung der Kinder.

    In Zusammenarbeit mit der Musikpädagogin Lina Tsernou konzipierte und realisierte sie zudem im September 2015 den Musik- und Theaterworkshop ,,Echo-Topia“ im Rahmen des Musikfestivals „Ageranos“ in Paros, Griechenland, der Kinder zwischen 6 bis 10 Jahren adressierte.

    Stella Gkrigkovits befindet sich aktuell am Ende ihres Masterstudiums und führte die Abschlussinszenierung ihres Masterstudiengangs, das theaterpädagogische Projekt

    „V O I X“, als Regie und Spielleitung erfolgreich durch und schreibt zurzeit ihre Masterthesis.

    Im Schuljahr 2016/17 ist Stella Gkrigkovits erstmalig bei „KLANGRADAR BERLIN-Kompositionslabor Schule“ dabei und unterstützt als Assistentin die Regisseurin Therese Ulrich in der Spielleitung.

  • Ute WassermannKomponistin im Schuljahr 2015/16
    © Ute Carola Hölting

    Ute Wassermann ist als Vokalkünstlerin, Komponistin und Klangkünstlerin für eine ganz eigene, unverkennbare Klangsprache bekannt, die sie in verschiedenen Zusammenhängen der experimentellen Musik immer wieder ausprobiert und verändert. Ihre Stimme erweitert sie mit Vogel- und Gaumenpfeifen, singt durch Resonanz- und Lautsprecherobjekte, entwirft Klanginstallationen und performative Soloprojekte u. a. mit dem Lichtkünstler Michael Vorfeld.

    Als Solistin tritt sie im Bereich der Neuen Musik bei vielen internationalen Festivals auf fast allen Kontinenten auf, vor allem in Museen, Kunsthallen, Clubs oder anderen Räumen mit sehr spezieller Akustik. Sie ist Mitglied des Composer-Performer-Ensembles Les Femmes Savantes und tritt regelmäßig bei Konzerten mit bekannten Improvisationsmusikern und festen Gruppen wie Speak Easy, fOrch, Charlotte Hug, Aleks Kolkowski, Birgit Ulher u. A. auf. Ebenso ist sie oft aktiver Part bei den Uraufführungen für die geschriebenen Werke und Musiktheateraufführungen mit bekannten Ensembles und Orchestern wie Richard Barrett, Chaya Czernowin, Michael Finnissy und Hespos auf, darüber hinaus veranstaltet sie Workshops, Kompositionsprojekte und übernimmt Lehraufträge.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ist Ute Wassermann im 2. Halbjahr des Schuljahres 2015/2016 mit der Klasse JÜL 1-3 der Birger-Forell-Grundschule auf Klangforschungsreise gegangen. Bereits im Schuljahr 2015 begleitete sie als Komponistin die Klasse 6c an der Erika Mann-Grundschule Wedding in der Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN – Die Grünlinge.

    Hatten Sie ein besonderes musikalisches Erlebnis, das Ihr musikalisches Denken verändert hat?

    Die Stimme fasziniert mich bereits seit meiner Kindheit.

    Eine besonders prägende Erfahrung war eine Performance von Laurie Anderson, die ich als Teenager gesehen habe. Mich faszinierte vor allem, dass sie in ihrer Performance die Violine wie ein vielseitiges Klangobjekt bespielte. Den Geigenbogen verwandelte sie in eine Projektionsfläche und spielte von ihr aufgenommene Texte auf der Violine über ein Tonband-Bogen zwischen zwei Tonknöpfen ab. Diese Performance integrierte Sprache, Stimme, Narration, Bewegung und Geigenspiel. Im Nachhinein denke ich, dass ich mich aufgrund dieser Erfahrung gegen ein akademisches Musikstudium entschied. Mein Interesse an der Musikperformance war geweckt. Ich absolvierte ein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste und studierte vorwiegend bei Künstler/innen aus dem Bereich „Fluxus-Kunst“, wie dem dänischen Komponisten Henning Christiansen und Phil Corner.

    Sie sind schon zum zweiten Mal bei KLANGRADAR BERLIN dabei. Was denken Sie, wie sich das Projekt seit Ihrem Einstieg entwickelt hat?

    Das Projekt ist in jedem Falle komplexer geworden. Jetzt sind Regisseur/innen hinzugekommen, die die Gemeinschaftskompositionen aller beteiligten Klassen in Szene setzen und dramaturgisch miteinander verbinden.

    Wie gehen Sie methodisch bei der Entwicklung der Kompositionen im Unterricht vor?

    Meine Methodik setzt sich aus eigenen Erfahrungen und methodischen Anregungen von unter anderem „QuerKlang.Experimentelles Komponieren in der Schule“ zusammen. Mit QuerKlang habe ich Schülerprojekte in Berlin realisiert und dadurch sehr viele konkrete Übungen an die Hand bekommen. Ebenfalls war auch das Feedback von Burkhard Friedrich in den letzten beiden Projektdurchgängen von KLANGRADAR BERLIN, bei denen ich dabei war, wichtig. In meiner eigenen Arbeit verbinde ich Improvisation mit Komposition. Dies fließt in  meine Methodik zur Entwicklung von Kompositionen mit Schüler*innen mitein. Zu Anfang eines jeden Kompositionsprozesses steht das Wahrnehmen und Hören. Ich mache mit den Kindern in dieser sogenannten Explorationsphase Wahrnehmungsübungen, um ihr Gehör für Klänge und Geräusche zu sensibilisieren. Im Anschluß an die Klangforschung folgen formgebende Aspekte, wie Dynamik, Gestaltung von Klängen –Punkt-, Pulsklang, anhaltende Klänge –, Schichten von Klängen, Erfahrung unterschiedlicher Klangqualitäten, Gegensatz von Klang und Stille etc., die ich in Form von Klangspielen mit den Kindern entdecke und erlebe. Zum Entwickeln kompositorischer Ideen biete ich Assoziationsspiele an. Die Kinder ergründen für sich woran sie von einem Klang erinnert werden, welche Gefühle, Gedanken, Bilder bestimmte Klänge bei ihnen auslösen. Schritt für Schritt geraten die Kinder in einen Kompositionsprozess, der meistens auch Improvisation beinhaltet.

    Was ist für Sie das Besondere am experimentellen Komponieren mit Kindern? Und worin unterscheidet sich diese Arbeit von der Arbeit mit Erwachsenen?

    Der Begriff „Kinder” ist sehr weit, da es ein großer Unterschied ist, ob ich zum Beispiel 5- bis 12-Jährige oder Teenager zum komponieren anrege. Ich hole grundsätzlich die Kinder bei ihren mentalen und musikalischen Voraussetzungen ab. Mit Klangspielen finde ich ihre Talente und Grenzen heraus und versuche sie für unbekannte Erfahrungen zu öffnen und ihr Interesse und die Lust an der Klangforschung und dem experimentellen Musizieren zu wecken. Es ist mir wichtig, die Vorlieben der Kinder im gemeinsamen Reflektionsprozess herauszufinden und diese zu erweitern. Bei Erwachsenen hängt es von den Voraussetzungen ab, unter denen sie sich musikalisch betätigen. Davon, ob sie sich freiwillig für einen Workshop entscheiden, ob Studenten einen Schein absolvieren müssen, ob es sich um einen Workshop für Profis oder Laien handelt. Deshalb lässt sich die Arbeit mit Erwachsenen nur im Einzelfall vergleichen. Aber auch bei ihnen geht es primär darum, sich für neue Erfahrungen und ungewohnte musikalische Herangehensweisen zu öffnen.

    Was begeistert Sie an diesem Projekt am meisten?

    Am meisten begeistert es mich, einen kollektiven Prozess in Bewegung zu setzen, in dem eine Komposition entsteht, die ich nicht hätte vorausplanen können. Denn jeder Kompositionsprozess entwickelt eine Eigendynamik, sobald die Kinder ihre unterschiedlichen künstlerischen und sozialen Kompetenzen entfalten.

    An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell über KLANGRADAR BERLIN hinaus noch?

    Im letzten Herbst habe ich ein Projekt in Mexico City realisiert, das mir viele neue Impulse gegeben hat. Ich habe unter Verwendung von Aufnahmen aus dem Nationalen Klangarchiv eine 8-Kanal-Komposition für den Garten der Fonoteca Nacional  komponiert und aufgeführt. Ich habe meinen Gesang zu Aufnahmen von Insekten, Vögeln und Geräuschen von Mexico City in Beziehung gesetzt und eine Art imaginäres Ökotop kreiert. Eine ähnliches Solo-Projekt werde ich im Herbst 2017 auf dem Sanatorium Dźwięku, Festival für zeitgenössische experimentelle Musik, in Sokolowsko/Polen verwirklichen. Im Winter dieses Jahres führte ich einen Workshop im Rahmen des Winterferien –  Musiklabors der Jungen Deutschen Oper Berlin durch. Mein Workshop trug den Titel „TRAUMGEZWITSCHER“. Außerdem trete ich regelmäßig mit dem Composer-Perfomer-Ensemble „Les Femmes Savantes“ auf.  Demnächst im Duo mit der Trompeterin Birgit Ulher und verschiedenen Improvisationsbands, wie Speak Easy mit Martin Blume, Thomas Lehn und Phil Minton.

     

    Die Fragen stellte Anna Peters

  • Alexandre DécoupignyKomponist im Schuljahr 2015/16
    © Ivo Mayr

    Alexandre Découpigny absolvierte am Liverpool Institute for Performing Arts ein Studium der Popmusik und entdeckte früh die Möglichkeiten des Computers als Instrument. Seit 2011 tourt er mit dem Berliner Musiker und Klangkünstler Thomas Tichai als Psycho & Plastic durch Clubs, besetzte Häuser und Bars in Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern. Ihre Musik veröffentlichen sie unter dem Label GiveUsYourGold. Mit dem in Kanada für den Polaris Preis nominierten Album „Superiouryouareinferiour“ begann seine regelmäßige Arbeit für den kanadischen Künstler Rae Spoon, zu dessen Album „Armour“ er elektronische Arrangements beisteuerte. Seit 2013 arbeitet er zudem unter dem Namen „Hauted House“ mit der Songwriterin Lianne Hall zusammen und ist für die elektronischen Parts verantwortlich.

    Neben seinem Schaffen als Komponist arbeitete er auch als Soundkünstler. Unter anderem wurde 2007 die interaktive Medieninstallation „forest 2 – cellular automaton“, die in Zusammenarbeit mit Christian Ziegler entstand, auf dem Kunstfest Weimar im Rahmen des Programms „TanzMedienAkademie“ ausgestellt. Als Solo-Künstler und Produzent ist er mit dem Projekt „Plastik“ unterwegs. Die dazugehörige EP erschien im Juli 2016.

    Bei KLANGRADAR BERLIN ist Alexandre Découpigny im 2. Halbjahr des Schuljahres 2015/2016 „Handy+Internet=Miteinander?“ mit der Klasse 5a der Evangelischen Schule Lichtenberg auf Klangforschungsreise gegangen. Alexandre Decoupigny begleitete als Komponist schon im Schuljahr 2014/2015 die Klasse 6a in der Walt-Disney-Grundschule Neukölln in der Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN – Mit den Ohren sehen lernen.

    Hatten Sie ein bestimmtes musikalisches Erlebnis, das Sie als Komponist besonders beeinflusst hat?

    Ich erinnere mich an ein Ereignis im Jahr 2000: Ich hatte gerade begonnen, Populärmusik am Institute for Performing Arts in Liverpool zu studieren und war über eine Manchester Galerie auf einen Künstler namens Philip Jeck gestoßen, der dort ein Stück aufführte. Ich erinnere mich, dass er viele, portable Plattenspieler und Effektgeräte aufgebaut hatte und bis dato war ich wenig mit Geräuschmusik in Berührung gekommen. Die Art und Weise, wie dieser Künstler mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit mit Klang experimentierte, war unglaublich beeindruckend. Das hat mich nachhaltig darin beeinflusst, immer neugierig zu sein. Fünf oder sechs Jahre später habe ich mit Philip in einem Pub zusammen gesessen und ihm von diesem Erlebnis erzählt und wie es mich beeindruckt hat, dass er mit so viel Sicherheit und Selbstverständlichkeit diese Klänge erzeugt hat. Er erinnerte sich sehr gut an diese Performance und sagte, dass er damals im Inneren unglaublich unsicher und nervös war. Das hat mich nachhaltig fasziniert, wie konträr innere und äußere Wirkungen sein können und das hat vielleicht im Endeffekt diese Spannung ausgemacht.

    Wie sind Sie auf das Projekt KLANGRADAR BERLIN gestoßen?

    Tatsächlich bin ich über den Verein netzwerk junge ohren auf das Projekt gestoßen. Ich habe mich damals schon länger mit dem Thema Hören im kulturellen Bildungskontext und der Arbeit mit jungen Menschen und Kindern auseinandergesetzt und habe vor diesem Hintergrund Kontakt zum netzwerk junge ohren aufgenommen. Wir haben gemeinsam nach einer Gelegenheit gesucht, zu kooperieren und dann hatte ich das Glück, dass mich Burkhard Friedrich zu dem Projekt KLANGRADAR BERLIN eingeladen hat.

    Hatten Sie vor KLANGRADAR BERLIN schon mit Kindern gearbeitet oder war es das erste Mal?

    Mit Kindern zu arbeiten, habe ich bereits während meines Zivildienstes 1998/99 begonnen, weil ich da schon aktiv Musik gemacht habe. Das Jugendhaus, in dem ich gearbeitet habe, lud mich damals dazu ein, mir etwas für die Spielstadt zu überlegen. Da hatte ich direkt die Idee, ein Musikstudio aufzubauen, was ein richtiger Hit wurde. In kleinen Gruppen mit acht oder neun Kindern und Jugendlichen haben wir zusammen Musik produziert und damals noch auf Kassetten aufgenommen. Diese Musik haben wir auch aufgeführt. Weil es ja eine Stadt war, haben die Kinder die Kassetten in dieser Spielstadt zu Markte getragen und die ganze Spielstadt hat diese Musik gehört. Wir mussten immer mehr Kassetten nachproduzieren, weil die so gut ankamen. Das war der Moment für mich, an dem ich gesehen habe, wie schön es eigentlich ist, mit Kindern zu arbeiten und zu kooperieren und was dabei Musikalisches entstehen kann.

    Hatten Sie eine bestimmte Vorgehensweise bei der Entwicklung der Kompositionen?

    Meine Methodik ist zum einen stark von Burkhard Friedrich beeinflusst, vor allem in der Art und Weise wie man Klänge in der Klangforschung notiert, wie man beispielsweise mit den sogenannten Klangkarten arbeitet. Zum anderen kombiniere ich meine Arbeit mit meiner persönlichen Forschung und Didaktik, die viel mit R. Murray Schafer, einem kanadischen Komponisten und Klangforscher, zu tun hat. Er hat ein Buch geschrieben, das den Titel „A Sound Education“ trägt. Dort sind Übungen festgehalten, die zum bewussten Hören anleiten. Mit diesem Buch arbeite ich immer wieder. In der sogenannten Entwicklungsphase setze ich diese Übungen ein, mit denen man seine eigene Aufmerksamkeit lenken kann, um ganz elementar das bewusste Hören bei den Kindern zu befördern. Das Wichtigste dabei ist es, mithilfe der Hörübungen eine sehr gute Basis, sprich eine natürliche Neugier für Klänge und eine bewusste Hörkultur zu etablieren und aus dieser Haltung heraus dann eine Komposition zu schaffen.

    Was ist für Sie das Besondere am experimentellen Komponieren auch in Bezug zur Arbeit mit Kindern? Unterscheidet sich das stark von der Arbeit mit Erwachsenen?

    Kinder haben weniger Angst. Wenn ich alle meine Erfahrungen vergleiche, komme ich zu dem Schluss, dass angehende Musiker die größte Angst vor experimenteller Musik haben. Kinder dagegen sind angstfrei. Das ist das Schöne am Experimentieren mit Klang, dass man sich vom Muster der klassischen Musikpädagogik loslösen kann und die Klangforschung jedem die Möglichkeit gibt, Musik neu zu erleben und sich mit dem Gehör und dem Hörsinn intensiver auseinanderzusetzen. Man kann sich von bisher Gelerntem befreien und sich auf die Suche nach neuen Möglichkeiten begeben, welche die Musik einem noch bietet. In dem Moment, in dem ich experimentell mit Klängen umgehe, entsteht eine neue Hörkultur und die Schülerinnen und Schüler verlassen alte Muster und das wird mir auch immer wieder durch die Lehrkräfte, mit denen ich zusammen arbeite, bestätigt. Der Musikunterricht bekommt dadurch eine ganz andere Qualität, wenn Schülerinnen und Schüler neu an ein Thema herangehen können. Darin liegt gerade die wahnsinnig kreative Kraft, die in experimenteller Klangforschung steckt, weil man so unglaublich viel erforschen kann. Erst heute Vormittag im Unterricht haben die Kinder entdeckt, dass man auf die Lautsprecher, mit denen sie elektronische Klänge erzeugen, Objekte legen kann, und dabei festgestellt, wie das die Klangfarbe verändert. Das war ein sehr schöner Moment, weil es so spielerisch ist und diese Erkenntnis ihnen sehr viel Freude bereitet hat. Kinder haben generell einen natürlichen Forschungsdrang, deswegen haben sie viel weniger Angst davor. Ganz im Gegenteil: Die experimentelle Klanggestaltung wird dem Forschungs- und Erlebnisdrang von Kindern viel gerechter und sie sollten gerade deswegen frei von vorgegebenen Mustern lernen können. So erleben Kinder, dass Klang was Wunderbares und Vielschichtiges ist und dafür haben die Kinder mit ihrer natürlichen Neugier und Offenheit die optimalen Voraussetzungen.

    An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

    Im Sommer war ich auf einer vierwöchigen Tour an der Westküste Kanadas in British Columbia mit einem Freund und Kollegen. Dort spielten wir zusammen auf einem Festival, gaben Konzerte und auch Workshops. Im Herbst dieses Jahres werde ich mit dem JugendKunsthaus Schlesische 27 unter anderem das Kunstprojekt „Kreuz Mountain Collage“ mit Jugendlichen zum Thema John Cage und dem Black Mountain College machen. Das Projekt stellt ein freies Gedankenexperiment dar, in dem die Jugendlichen, wie kann es auch anders sein, Klangforschung betreiben werden.

    Die Fragen stellte Anna Peters.

  • Adrienn BazsóRegisseurin im Schuljahr 2015/16
    © Carla Schleiffer

    Adrienn Bazsó wurde 1987 in Ungarn geboren und hat in Budapest eine Schauspielausbildung absolviert und dort mehrfach im Theater „Bárka“ gearbeitet. Sie arbeitete eng mit dem italienischem Schauspieler, Regisseur und Coach Paolo Antonio Simioni zusammen und feilte an den Methoden von Konstantin Stanislawski und Lee Strasberg. Zudem besuchte sie Trainings zur Grotoski-Methode, dem physical theatre und der Kontaktimprovistation.

    2012 zog Adrienn Baszó nach Berlin, um an der Universität der Künste das Masterstudium Theaterpädagogik aufzunehmen, das sie 2015 erfolgreich abgeschlossen hat. Zurzeit arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin für das GRIPS Theater in Berlin und gibt theaterpädagogische Workshops an der Volkshochschule und dem Jüdischen Museum. Seit der Spielzeit 2014 /2015 leitet sie den Jugendklub „Operatiefer Eingriff“ an der Staatsoper im Schiller Theater Berlin.

    Bei KLANGRADAR BERLIN entwickelte Adrienn Bazsó gemeinsam mit Panagiotis Iliopoulos im Rahmen der Kooperation mit der Jungen Staatsoper Berlin die Inszenierung des Abschlusskonzerts am 14. Juli 2016 auf der Bühne der Akademie der Künste. Auch bei der ersten Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule war Adrienn Bazsó gemeinsam mit Panagiotis Iliopoulos für die szenische Umsetzung des Abschlusskonzerts am 28. Januar 2016 zuständig.

    Die Dramaturgen Adrienn Bazsó und Panagiotis Iliopoulos sprechen über ihre szenische Probe in der Staatsoper im Schillertheater am 20. November 2015 mit den drei Schulklassen der Miriam-Makeba Grundschule (Moabit), der Hasengrund-Grundschule (Pankow) und der Evangelischen Grundschule (Neukölln).

    Was haben Sie heute mit den Schülerinnen und Schülern in der Probe gearbeitet?

    Iliopoulos: Heute waren das erste Mal die drei Schulklassen, das bedeutet 70 bis 80 Kinder, auf einer Bühne. Für die Kinder war wichtig, dass sie sich gegenseitig kennenlernen und dass sie den jeweiligen Stand ihrer Arbeit präsentieren und Einblicke in die Kompositionsarbeit der anderen Schulen bekommen. Sie sollten das Auftreten und Abtreten bewusst als solches wahrnehmen. Dass ich nicht einfach irgendwie auf die Bühne komme, sondern, dass ich dabei präsent bin und dies schon Teil der Aufführung ist. Das sind wichtige Dinge, die der ganzen Aufführung Gewicht geben.

    Bazsó: Wichtig war uns, dass die Kinder merken: Es wird langsam ernst. In zwei Monaten werden sie auf einer ähnlich großen Bühne stehen. Sie sollten heute erfahren wie es ist, auf so einer Bühne zu stehen, wie die Aufführungssituation am Ende aussehen wird. Und ich glaube, diese Erfahrung wird die Arbeit in den Klassenräumen auch positiv beeinflussen.

    Kannten Sie die heutigen vorläufigen „Ergebnisse“ der Kompositionen der Kinder?

    Bazsó: Das was heute vorgeführte wurde, war für uns neu. Wir haben zwar in allen Schulklassen einmal hospitiert und gesehen, wie die Komponisten mit den Schülern arbeiten, kannten aber das heute Vorgeführte auch noch nicht.

    Wie konnten Sie die einzelnen Stücke in Szene setzen, wenn Sie sie noch nicht kannten?

    Bazsó: Als wir hospitierten, stellten wir fest, dass mit sehr unterschiedlichen Mitteln und Herangehensweisen komponiert wird. Dann haben wir uns konzeptionell Gedanken gemacht, wie wir die späteren unterschiedlichen Kompositionen zu Einem machen können. Ausgehend vom diesjährigen Thema „Handy + Internet = Miteinander?“ haben wir Kommunikation als übergeordnetes Thema gewählt. Wir wollen die drei Gruppen durch Kommunikation miteinander in Verbindung treten lassen. Das haben wir heute mit ersten szenischen Übungen angerissen. Natürlich kommt hier auch unsere Ästhetik und unser Humor zum Tragen: Am Ende stehen weniger reibungslose, als vielmehr unglückliche, gescheiterte Kommunikationsversuche.

    Iliopoulos: Leider haben wir nicht den Luxus, mit den Kindern viel ausprobieren und entwickeln zu können, weil es drei Probentermine gibt. Deshalb müssen wir viel konzeptionell am Schreibtisch arbeiten. Und das ist immer schwierig, weil man nie weiß, ob etwas am Ende funktioniert oder nicht. Als Wegweiser gilt uns: Jede Schule bekommt dieselbe Aufmerksamkeit. Wir wollen der Aufführung eine übergeordnete Struktur, eine Metaebene geben, damit aber die Unterschiedlichkeit der Kompositionen nicht überdecken. Wir werden auch weiter hospitieren, um die Entwicklungen in den einzelnen Klassen nicht aus den Augen zu verlieren.

    Das Interview führte Till Dahlmüller.

  • Panagiotis IliopoulosRegisseur im Schuljahr 2015/16
    Foto des Regisseurs Panagiotis Iliopoulos

    2004 schloss Panagiotis Iliopoulos am Athener Konservatorium “Orfeio” sein Klavierdiplom mit Auszeichnung ab. Anschließend absolvierte er ein Studium in Geschichte und Archäologie an der Nationalen Universität Athen und zog nach Deutschland, wo er ein weiteres Studium der Klavierpädagogik an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Lászlo Simon erfolgreich abschloss.

    Neben der Pflege des klassischen Repertoires gilt sein Interesse der Neuen und Experimentellen Musik sowie der Forschung am Grenzbereich zwischen Musik und Theater. 2012 schloss er als Bundesstipendiat der Schweiz den Masterstudiengang “Experimentelles Musiktheater” an der Hochschule der Künste Bern mit Auszeichnung ab.

    Als Pianist und Performer hat er an verschiedenen Bühnen gearbeitet (u.a. HAU1, Schauspielhaus Zürich, Dampfzentrale Bern, Neuköllner Oper Berlin, Teatro Due Parma) mit Komponisten und Regisseuren wie Ruedi Häusermann, Matthias Rebstock, Daniel Ott und Balletto Civille. 2011 wirkte er in der CD Produktion „Wetterminiaturen” von Ruedi Häusermann als Pianist und Klangforscher mit. Mit Beginn der Spielsaison 2015/2016 übernahm er die musikalische Leitung des Jugendklubs der Staatsoper Berlin für das Projekt „Drahtseilakt“ unter der Regie von Adrienn Bazsó.

    Bei KLANGRADAR BERLIN entwickelte Panagiotis Iliopoulos gemeinsam mit Adrienn Bazsó im Rahmen der Kooperation mit der Jungen Staatsoper Berlin die Inszenierung des Abschlusskonzerts am 14. Juli 2016 auf der Bühne der Akademie der Künste. Auch bei der ersten Ausgabe von KLANGRADAR BERLIN – Kompositionslabor Schule war Panagiotis Iliopoulos gemeinsam mit Adrienn Bazsó für die szenische Umsetzung des Abschlusskonzerts am 28. Januar 2016 zuständig.

    Die Dramaturgen Adrienn Bazsó und Panagiotis Iliopoulos sprechen über ihre szenische Probe in der Staatsoper im Schillertheater am 20. November 2015 mit den drei Schulklassen der Miriam-Makeba Grundschule (Moabit), der Hasengrund-Grundschule (Pankow) und der Evangelischen Grundschule (Neukölln).

    Was haben Sie heute mit den Schülerinnen und Schülern in der Probe gearbeitet?

    Iliopoulos: Heute waren das erste Mal die drei Schulklassen, das bedeutet 70 bis 80 Kinder, auf einer Bühne. Für die Kinder war wichtig, dass sie sich gegenseitig kennenlernen und dass sie den jeweiligen Stand ihrer Arbeit präsentieren und Einblicke in die Kompositionsarbeit der anderen Schulen bekommen. Sie sollten das Auftreten und Abtreten bewusst als solches wahrnehmen. Dass ich nicht einfach irgendwie auf die Bühne komme, sondern, dass ich dabei präsent bin und dies schon Teil der Aufführung ist. Das sind wichtige Dinge, die der ganzen Aufführung Gewicht geben.

    Bazsó: Wichtig war uns, dass die Kinder merken: Es wird langsam ernst. In zwei Monaten werden sie auf einer ähnlich großen Bühne stehen. Sie sollten heute erfahren wie es ist, auf so einer Bühne zu stehen, wie die Aufführungssituation am Ende aussehen wird. Und ich glaube, diese Erfahrung wird die Arbeit in den Klassenräumen auch positiv beeinflussen.

    Kannten Sie die heutigen vorläufigen „Ergebnisse“ der Kompositionen der Kinder?

    Bazsó: Das was heute vorgeführte wurde, war für uns neu. Wir haben zwar in allen Schulklassen einmal hospitiert und gesehen, wie die Komponisten mit den Schülern arbeiten, kannten aber das heute Vorgeführte auch noch nicht.

    Wie konnten Sie die einzelnen Stücke in Szene setzen, wenn Sie sie noch nicht kannten?

    Bazsó: Als wir hospitierten, stellten wir fest, dass mit sehr unterschiedlichen Mitteln und Herangehensweisen komponiert wird. Dann haben wir uns konzeptionell Gedanken gemacht, wie wir die späteren unterschiedlichen Kompositionen zu Einem machen können. Ausgehend vom diesjährigen Thema „Handy + Internet = Miteinander?“ haben wir Kommunikation als übergeordnetes Thema gewählt. Wir wollen die drei Gruppen durch Kommunikation miteinander in Verbindung treten lassen. Das haben wir heute mit ersten szenischen Übungen angerissen. Natürlich kommt hier auch unsere Ästhetik und unser Humor zum Tragen: Am Ende stehen weniger reibungslose, als vielmehr unglückliche, gescheiterte Kommunikationsversuche.

    Iliopoulos: Leider haben wir nicht den Luxus, mit den Kindern viel ausprobieren und entwickeln zu können, weil es drei Probentermine gibt. Deshalb müssen wir viel konzeptionell am Schreibtisch arbeiten. Und das ist immer schwierig, weil man nie weiß, ob etwas am Ende funktioniert oder nicht. Als Wegweiser gilt uns: Jede Schule bekommt dieselbe Aufmerksamkeit. Wir wollen der Aufführung eine übergeordnete Struktur, eine Metaebene geben, damit aber die Unterschiedlichkeit der Kompositionen nicht überdecken. Wir werden auch weiter hospitieren, um die Entwicklungen in den einzelnen Klassen nicht aus den Augen zu verlieren.

    Das Interview führte Till Dahlmüller.

WIR DANKEN DEN FÖRDERERN UND PARTNERN